In der warmen Sonne
Arme Reptilien! Die Zungen der Vipern genießen einen zweifelhaften Ruf und gelten als teuflisch, kalt, gefährlich. Doch dies sind alte Vorurteile, denn sechs von den sieben Reptilien der Region Wallonien sind absolut ungefährlich. Sogar der Biss einer Viper, einer sehr seltenen und scheuen Art, stellt eine absolute Ausnahme dar und hat seit über hundert Jahren keinen Menschen mehr getötet. Auch Nattern, Eidechsen und Blindschleichen gewinnen bei näherem Kennenlernen.
Eine Frage des Klimas
In der Region Wallonien finden sich drei Eidechsenarten, drei Schlangenarten und eine Blindschleichenart. Im Vergleich zu ganz Europa ist dies eigentlich wenig, denn hier finden sich insgesamt 130 Arten, aber hierbei muss auch unser Klima berücksichtigt werden. Bei uns wird es nicht nur im Winter sehr kalt – und Reptilien erstarren von Oktober bis März in ihren Höhlen vor der Kälte –, auch der Sommer bietet nicht ausreichend Wärme und Sonne. Hierbei handelt es sich aber um eine der Bedingungen, die für das Überleben der Embryonen unerlässlich sind. Die Reptilien in der Region Wallonien pflanzen sich entsprechend aufgrund ihrer Anpassung an unser Klima nicht öfter als einmal pro Jahr fort, und bisweilen entwickeln sich in den Weibchen nur alle zwei Jahre Eier. Diese Art der Fortpflanzung kostet die Weibchen eigentlich sehr viel Energie, da diese hinterher wieder zu Kräften kommen müssen.
Schleichen Sie näher
Die größte Wahrscheinlichkeit, den Nachwuchs zu entdecken, besteht während der Monate August und September. Im Allgemeinen beschränken sich Reptilien auf einen sehr kleinen Lebensraum, sofern sie sich gut eingerichtet haben, also über ausreichende Nahrung, Zufluchtsorte bei Gefahr und warme Plätze für ausgiebige Sonnenbäder verfügen. Aber denken Sie daran, dass alle Reptilien in der Region Wallonien uneingeschränkt geschützt sind. Entsprechend sind „absichtliches Vertreiben, Töten, Einfangen, Gefangenhalten oder Stören“ verboten. Gleiches gilt für den Transport oder kommerziellen Handel. Wenn Sie diese Tiere beobachten wollen, müssen Sie unbedingt größte Vorsicht walten lassen. Nähern Sie sich nur langsam, und vermeiden Sie abrupte Bewegungen, denn schon die geringste Erschütterung versetzt sie in Alarmbereitschaft.
Tipps und Tricks zum Bestimmen
Die Mauereidechse liebt Steine, auf denen man die graubraunen Umrisse des 20 cm großen Kletterers mit seinem spitzen langen Schwanz und den feinen Beinen mit den langen Fingern entdecken kann. Ihre Verwandte, die kleinere und kräftigere Waldeidechse, ist hingegen braun und weist helle sowie schwarze Flecken auf. Aus diesem Grund hält sie sich lieber am Waldrand oder in der Nähe von Holzhaufen auf. Bei der Zauneidechse zeichnet sich das Männchen durch eine besondere grüne Färbung aus, mit der es das Weibchen für sich gewinnen kann. Diese Art ist jedoch äußerst furchtsam und daher nur selten zu beobachten. Bei den Schlangen beeindruckt die Ringelnatter mit ihrer Größe, denn sie erreicht als einzige eine Länger von durchschnittlich einem Meter. Sie lässt sich einfach an der schwarzweißen Musterung am Hals erkennen. Die kleine und unscheinbare Schlingnatter zeichnet sich durch ihre dunkle, streifenförmige Zeichnung auf dem Rücken aus. Die kleine Kreuzotter schließlich lässt sich leicht an dem schwarzen Zickzackmuster auf ihrem Rücken erkennen. Bei der Blindschleiche hingegen handelt es sich nicht um eine Schlage im eigentlichen Sinne, sondern um eine beinlose Eidechse, die dafür lang, glatt und glänzend ist.